Neoliberalismus 2.Teil; Homo Oeconomicus

Im amerikanischen Senat ist der Entwurf durch. Donald Trump hat einen ersten großen Teilerfolg  für seine Steuerreform erzielt.

Die Auswirkungen sind in ihrer ganzen Breite noch nicht abzuschätzen, aber eines scheint klar: die Umverteilung von Unten nach Oben wird mittelfristig die amerikanische Mittelschicht finanzieren und von den Ärmsten durch Kürzungen von Sozialleistungen bezahlt werden.

Und ob sich die Hoffnung erfüllen wird, mit der Absenkung der Unternehmenssteuer von 35% auf 20%, einen weiteren Wachstumsschub generieren zu können,  bleibt abzuwarten.

Am Rande dieses Prozesses hat aber etwas Erstaunliches stattgefunden. Rund 400 Reiche und Superreiche Amerikas haben in einem offenen Brief (http://www.responsiblewealth.org/read_the_letter) Stellung gegen diese Steuerreform bezogen. Sie lehnen darin u. a. eine weitere Spreizung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit zu Lasten der Benachteiligten in der amerikanischen Gesellschaft ab,

400 Millionäre, die sich dagegen wehren, „arbeitslos“ mehr Geld zu bekommen?

400 Reiche, die gegen ihre eigenen Interessen offen auftreten und Partei ergreifen für Andere?

Sind diese 400 gar fehlgeleitete individuelle „Klassenverräter“, Verwirrte?

Wo bleibt denn da der Homo Oeconomicus, dieses zentrale Konstrukt in der neoliberalen Wirtschafttheorie, der streng nur seinem eigenen Interesse und Vorteil verpflichtet ist und demgemäß auch handelt?

Nun weiß ich schon, dass dieser Homo Oeconomicus nur ein vereinfachtes Menschenmodell darstellt. Aber er ist in den meisten ökonomischen Modellen eine Konstante und hat sich lange Zeit als unhinterfragte Unwahrheit einnisten können. So übrigens auch in der neuen politischen Ökonomie, die ja versucht soziale und gesellschaftliche Prozesse mit Hilfe ökonomischer Annahmen erklären zu können.

Wenn dieser Leitstern des ökonomischen Egoismus aus seiner Flugbahn gerät, sind die Folgen für eine Unzahl wirtschaftlicher Modelle katastrophal.  Es würde nicht ausreichen, diese Modelle ein wenig neu zu konzipieren, ein wenig neu zu rechnen, ein wenig neu zu modellieren.  Es würde stattfinden, was in der Physik die Entwicklung der Relativitätstheorie bewirkt hat: eine vollkommen neue Sicht der Wirklichkeit.

Das macht übrigens auch die Forschung von Prof. Ernst Fehr, einem Österreicher, der an der Zürcher Universität tätig ist, so spannend. Er versucht dem Wahrheitsgehalt des Homo Oeconomicus  mit empirischen Methoden auf die Spur zu kommen und gelangt zu erstaunlichen Ergebnissen der menschlichen Kooperation, jenseits des egoistischen Automatismus.

Fehr wird übrigens seit Jahren immer wieder in Zusammenhang mit dem Nobelpreis genannt. Kaum vorstellbar, was eine Preisverleihung bewirken würde.

Übrigens: auch Einstein hat den Nobelpreis „nur“ für die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts erhalten und nicht für die Entwicklung der Relativitätstheorie!

Wie auch immer. Für all jene, denen der Homo Oeconomicus  als Modell schon lange eigenartig vorkommt, gibt es seit Kurzem 400 neue Gegenargumente….

 

 

 

 

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